Die Zürcher Urania

Bereits Ende des 18. Jahrhunderts verfügte Zürich auf dem Dach des Zunfthauses zur «Zur Meise» über ein erstes bescheidenes Observatorium. Gelegentlich diente auch ein Turm des Grossmünsters als Beobachtungspunkt. Das erste offizielle Observatorium wurde an der Schmelzbergstrasse 25 im Zusammenhang mit dem Bau der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) zwischen 1861 und 1864 von Gottfried Semper errichtet. Eine dem Volk zugängliche Urania entstand in Zürich erst 40 Jahre später auf dem Gebiet des heutigen Werdmühleplatzes, welcher um die Jahrhundertwende eine tiefgreifende Veränderung erfuhr.

1899 verkaufte die Stadt Zürich das Grundstück, auf dem heute die Volkssternwarte steht, an den Kaufmann Abraham Weill-Einstein und auferlegte dem Käufer die Verpflichtung, auf dem Bauplatz «binnen fünf Jahren von der Eigentumsübertragung an gerechnet eine schöne, der Lauge des Bauplatzes angemessene Baute zu erstellen».  Ab diesem Zeitpunkt war erstmals von einer Sternwarte die Rede. Im April 1905 legte die Bausektion des Stadtrates dem Baukollegium den definitiv ausgearbeiteten Entwurf zur Begutachtung vor. Noch im selben Jahr erfolgte die Baubewilligung.

Genau zwei Jahre nach Baubeginn, am 15. Juni 1907, fand die Eröffnung des Geschäftshauses und der Urania-Sternwarte statt. Der fast 50 Meter hohe Turm der Urania-Sternwarte gehört zu den markanten Bauten des Zürcher Stadtzentrums. Als 1905 Gulls Projekt dem Baukollegium vorgelegt wurde, sollte in erster Linie geprüft werden, ob der imposante Dachaufbau das in der Nähe geplante Stadthaus nicht dominiere.